Regrowing – Obst- und Gemüsereste zu neuem Leben erwecken

Obst- und Gemüsereste, die beim Kochen entstehen, gehören nicht automatisch in den Biomüll. Beim sogenannten Regrowing – einem neuen Trend für einen nachhaltigeren Lebensstil – züchtet man neue Pflanzen aus vermeintlichen Obst- und Gemüseabfällen. Dafür braucht man noch nicht einmal einen grünen Daumen – das Regrowing ist ganz einfach. Der Trend trifft auf große Begeisterung bei Jung und Alt gleichermaßen.

Regrowing – was ist das?

Regrowing ist ein Begriff aus der englischen Sprache und bedeutet zu Deutsch „nachwachsen.“ Unter den meisten Hobbygärtnern ist der Trend auch als Stecklingsvermehrung oder vegetative Vermehrung bekannt. Beim Regrowing werden neue Pflanzen nicht aus Samen, sondern aus Obst- und Gemüseresten, die normalerweise im Müll landen würden, gezogen.

Wer Obst und Gemüse nachwachsen lässt, versorgt sich nicht nur mit vielen Vitaminlieferanten, die knackfrisch auf den Teller kommen, sondern geht auch gleichzeitig behutsam mit der Umwelt um. Überreste werden beim Kochen nicht einfach achtlos weggeworfen, sondern mit einfachen Methoden wiederverwertet.

So funktioniert das Nachwachsenlassen

Bevor man mit dem Regrowing beginnt, geht es an die Auswahl der Obst- und Gemüsereste. Hier ist es ganz wichtig, dass man ausschließlich junge und insbesondere gesunde Pflanzenteile verwendet. Diese setzt man für einige Tage in ein Glas Wasser. Dieses Wasser wiederum sollte regelmäßig erneuert werden, damit keine Fäulnis entsteht.

An einem geeigneten Plätzchen beginnen allmählich neue Blätter und Wurzeln zu wachsen. Sobald sich genügend Wurzeln gebildet haben, wird der Steckling in seinen eigenen Topf gesetzt. Damit das Regrowing aber tatsächlich Früchte trägt – im wahrsten Sinne des Wortes – braucht es den richtigen Standort.

  • Licht: Gerade in der Bewurzelungsphase brauchen die Gemüseüberreste sehr viel Licht. Der Frühling und Sommer mit vielen Sonnenstunden sind deshalb ganz wunderbare Jahreszeiten, um das Regrowing in die Tat umzusetzen.
  • Wärme: Für die Wurzelbildung und das Wachstum der neuen Pflanze spielt auch Wärme eine entscheidende Rolle. Natürlich ist die ideale Temperatur immer von der Pflanzenart abhängig, aber die meisten wachsen hervorragend bei 20°C.
  • Substrat: Für das Regrowing eignet sich wasserdurchlässige Erde am besten – so kann Staunässe vermieden werden. Zudem ist nährstoffarmes Substrat zu empfehlen, damit sich die Wurzeln besser ausbilden können. Sobald sich ein ausreichend großes Wurzelwerk gebildet hat, braucht es keine spezielle Erde mehr.

Gemüsesorten zum Nachwachsenlassen

Am passenden Standort und mit der richtigen Pflege kann man viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten zum Nachwachsen bringen. An einem warmen und sonnigen Plätzchen, mit viel frischem Wasser und ausreichend Nährstoffen eignen sich u. a. die folgenden perfekt für das Regrowing:

  • (Frühlings-)Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Ingwer
  • Kartoffeln
  • Ananas

Wenn man also z. B. Zwiebelpflanzen, Ananas oder Kartoffeln selbst vermehren möchte, gibt es – je nach Pflanzenart – ein paar Grundregeln, die man beachten sollte. Bei den folgenden Obst- und Gemüsesorten ist für jeden etwas dabei – egal, ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi im Regrowing.

Frühlingszwiebeln für Einsteiger

Wenn man das Regrowing zum ersten Mal ausprobiert, sollte man sich für Obst- und Gemüsesorten entscheiden, die es einem nicht zu schwer machen. Für den Anfang lohnen sich Frühlingszwiebeln – es könnte nicht einfacher sein, dieses schmackhafte Gemüse nachwachsen zu lassen.

Dazu schneidet man am unteren Ende der Frühlingszwiebel etwa 5 cm oberhalb der Wurzel ab. Dann stellt man sie für einige Tage in ein Gefäß mit Wasser – nur die Wurzeln sollten hier im Wasser liegen. Bereits nach kürzester Zeit entwickelt sich ein neues Wurzelsystem. Sobald es fertig ausgebildet ist, kann die Frühlingszwiebel in die Erde gesetzt werden.

Ingwer für Fortgeschrittene

Ingwer lässt sich genauso selbst vermehren. Das Regrowing der gesunden Knolle ist mit etwas mehr Aufwand verbunden – im Gegensatz zu den Frühlingszwiebeln. Deshalb sollte man dafür schon ein wenig mehr Erfahrung im Regrowing haben.

Zum Nachwachsenlassen lässt man die Ingwer einfach an einem hellen Platz liegen, bis sich die ersten Triebe ausbilden. Alternativ kann man die Knolle auch in kleine Stücke schneiden und mit den Augen nach oben in ein Glas Wasser legen. Um das Wurzelwachstum zu fördern, eignet sich ein Topfuntersetzer mit einer Glasglocke oder Plastiktüte. Sobald sich genügend Wurzeln gebildet haben, kann die Ingwerknolle in einen Topf mit Erde umgesetzt werden.

Ananas für Erfahrene

Regrowing ist zwar grundsätzlich einfach, aber es gibt auch Obst- und Gemüsesorten, bei denen sich das Nachwachsen nicht so einfach gestaltet. Zur absoluten Königsdisziplin bei der Stecklingsvermehrung zählt die Ananaszucht. Hier sind schon eine gehörige Portion Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl gefragt, um die tropische Frucht selbst anzubauen.

Die exotische Obstpflanze lässt sich aus dem Strunk einer Ananaspflanze vermehren. Hier ist vor allem auf eine sehr reife Frucht mit frischem Blattschopf zu achten. Es kann allerdings Jahre dauern, bis sich tatsächlich eine neue Frucht bildet – man braucht also sehr viel Geduld, um die Ananas erfolgreich einzupflanzen. Die folgende Infografik veranschaulicht, wie sie vermehrt werden kann.

Ananas züchten – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung (www.pro-emit.de)

Regrowing lohnt sich

Regrowing ist zum echten Trendsetter geworden. Immer mehr Menschen können sich für das Nachwachsenlassen ihrer lieb gewonnenen Obst- und Gemüsesorten begeistern. Dabei ist das Gärtnern in den eigenen vier Wänden völlig unkompliziert und bringt große Freude – spätestens, wenn die Ernte zu einem köstlichen Gericht weiterverarbeitet werden kann.

 

Bildquellen