Übergewicht und Fettleibigkeit als Risikofaktoren bei COVID-19

Die Wissenschaft weiß heute, dass in den westlichen Industrieländern über 70 Prozent aller Erkrankungen ernährungsbedingt beziehungsweise lebensstilinduziert sind. Falsche Ernährung, Bewegungsmangel und daraus resultierendes Übergewicht sind die wesentlichen Eckpfeiler, die es einzureißen gilt. Darüber hinaus sind gewiss noch das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum zu nennen.

 

Zuletzt verdichteten sich Hinweise darauf, dass möglicherweise gerade Fettleibigkeit und besonders schwere Verläufe bei COVID-19 miteinander korrelieren. Sowohl chinesische als auch französische Forscher haben ihre COVID-19-Patienten dahingehend untersucht.

Ergebnisse aus Frankreich

Arthur Simonnet und sein Team vom Universitätsklinikum Lille betrachteten unter diesem Aspekt 124 COVID-19-Patienten. Diese wurden in der Zeit zwischen dem 27. Februar und 5. April 2020 auf ihrer Intensivstation behandelt. Ihr Bericht darüber wurde im Wissenschaftsjournal „Obesity“ publiziert.[1]

Es war den Ärzten in der Tat schon zu Beginn aufgefallen, dass ganz offensichtlich die Mehrzahl ihrer Patienten eine deutliche Fettleibigkeit aufwiesen. Insofern schien ihnen eine Kategorisierung gemäß Body-Mass-Index (BMI) sinnvoll zu sein. Normale Werte liegen im Bereich zwischen 18,5 und 25 Kilogramm pro Quadratmeter.

 

85 der insgesamt 124 intensivmedizinisch behandelten Patienten wurden via Tubus beatmet. Von diesen 85 Patienten wiesen 56 Prozent einen BMI über 30 auf, 38 Prozent hatten mehr als 35. Wer noch darüber lag, musste sogar ziemlich sicher beatmet werden.

Ähnlicher Sachverhalt in China

Aus Wuhan lagen Daten von 112 COVID-19-Patienten vor, die im Zeitfenster 20. Januar bis 15. Februar im Union Hospital behandelt worden waren. Dort hatten etwas mehr als 88 Prozent der Patienten, die an COVID-19 verstorben waren, einen BMI von über 25. Von denjenigen, die die Erkrankung überstanden haben, hatten nur knapp 19 Prozent einen BMI über 25.

 

Erste Hinweise auf ursächliche Zusammenhänge tendieren in die Richtung, dass die ACE2-Rezeptoren der Zellen des Fettgewebes möglicherweise eine entscheidende Rolle spielen könnten. Das neue Coronavirus sucht genau solche Rezeptoren auf, um an eine Zelle anzudocken. Die Forscher aus China haben festgestellt, dass die ACE-Expression im Fettgewebe sogar etwas größer als im Lungengewebe ist.[2]

 

Fazit:

Es ist nicht neu, dass Übergewicht und Fettleibigkeit die Ursache vieler chronischer Zivilisationskrankheiten sind. Viele Betroffene haben sogar schon selbst die Erfahrung gemacht, dass sich ihre Beschwerden langsam bessern, wenn sie ihre Ernährungsweise umstellen und deutlich mehr Disziplin dabei aufbringen. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist jetzt in Zeiten des Corona-Virus mehr gefragt denn je und kann über Leben und Tod entscheiden.

 

Quellen:

[1]https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/oby.22831

[2]https://www.preprints.org/manuscript/202002.0315/v1

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