Lebensmittel Wissenschaft

Geschickte Vermarktung macht das Simmentaler Rind zu einem seltenen Exemplar in der Tierwelt

Wer den Begriff „Simmentaler Rind“ hört, denkt an Tiere, die auf einer grünen Weide saftiges Gras und gesunde Kräuter fressen, in einer natürlichen Umgebung ohne Stress aufwachsen und qualitativ hochwertiges Fleisch liefern. Das kann so sein, muss es aber nicht. Verantwortlich für dieses Bild, das uns bei dem Namen in den Kopf schießt, ist eine geschickte Kampagne der Werbebranche. Hinter dem Ausdruck „Simmentaler Rind“ verbirgt sich in Wahrheit nur die Bezeichnung für eine Rinderrasse, die wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen hat. Es handelt sich bei dieser Gattung um das Fleckvieh, welches mit einer braun und weiß gescheckten Färbung auf vielen Weiden des Landes zu entdecken ist und vor allem in vielen Ställen verschiedener Betriebe steht. Der Name ist keine, wie fälschlich angenommen wird, Bezeichnung für die Herkunft des Tieres. Wer das bis jetzt vermutet hat, dem sei gesagt, dass der Begriff „Simmentaler Rind“ historischer Natur ist, jedoch nicht mehr auf den Ort der Aufzucht schließen lässt.

Die Bezeichnung hat ihren Ursprung im Mittelalter. Damals wuchsen die Tiere im Simmental, welches im Berner Oberland liegt, auf. Diese Gegend in der Schweiz war für eine Rinderart bekannt, die im Vergleich zu anderen Tieren mehr Fleisch lieferte und schnell an Gewicht zunahm, sodass die Schlachtung früher erfolgen konnte. Jene Gattung verbreitete sich auch in umliegenden Ländern und zählt heute mit einem Bestand von etwa 2,5 Millionen Tieren zur häufigsten Rinderrasse, die in Deutschland gezüchtet wird. Die Werbung suggeriert dem Verbraucher hingegen, dass es sich um eine besondere Art Rinder handelt, deren Fleisch qualitativ hochwertig und rar ist. Das Gegenteil ist der Fall. Das Simmentaler Rind liefert aufgrund der Größe des Bestandes günstiges Fleisch. Dessen Qualität hängt vom jeweiligen Betrieb und der Art der Haltung ab. Daher sollte man beim Kauf stets auf ökologische Aufzucht achten und sich nicht vom bloßen Namen täuschen lassen.